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Vor allem die ganzheitliche Betreuung, Zuwendung. Unser Haus vereint mehrere Vorteile, denn wir befinden uns zwischen Pflegewohnheim, Intensivstation für Schwerstpflege sowie Hospiz und betreuen unsere Bewohner dabei sozusagen in einem fließenden Übergang unter einem Dach sowie aus einer Hand. Im Vordergrund steht, ein Höchstmaß an individueller Lebensqualität zu schaffen. Wir nehmen uns die Zeit auch „nur mal“ da zu sein. Ansprache und Zuwendung sind absolut wichtig, man muss die Menschen ernst nehmen mit ihren Problemen. Wir sind dabei weder Altenheim noch klassisches Pflegeheim. Wir versorgen Schwerstpflegefälle und Menschen mit unheilbaren Krankheiten, die eben nicht in ein herkömmliches Heim „passen“.
In vielen Fällen ja. Ein Beispiel, das sehr häufig vorkommt: Wenn Patienten vom Krankenhaus austherapiert sind, werden sie entlassen und müssen schauen, wo oder wie sie unterkommen. Viele versuchen sich zuhause einzurichten so gut es geht. Wenn man dann aber ärztliche Versorgung benötigt, muss man den Notdienst rufen. Da kommt dann vielleicht ein Facharzt, der zu wenig Ahnung von Palliativ- oder Schmerztherapie hat und den Patienten deshalb wieder ins Krankenhaus schickt. Dort erhält er dann ein schmerzlinderndes Mittel, wird aber gebeten, nicht länger zu bleiben – und landet wieder zuhause. In Hospizgruppen dürfen Patienten maximal sechs Wochen bleiben und ‚müssen’ innerhalb dieser Frist sterben. Wenn nicht, heißt es auch hier wieder ab nach Hause. Bei uns finden die Bewohner kompetente und komplette Betreuung ohne zeitliche Limits.
Zunächst mal eine eigene Erfahrung aus meiner Familie; Meine Tante und der Großvater meines Mannes sind nach einem langen Hin- und Her verstorben, weil keine Instanz sich zuständig fühlte – zunächst Kurzzeitpflege, dann Krankenhaus. Im Krankenhaus heißt es oft, der Patient sei austherapiert und er solle bitte nach Hause gehen. Letztendlich stirbt er dann oft alleine und wählt für sich selbst lieber den Weg des Sterbens, als noch länger hin- und hergeschoben zu werden.
Es ist sehr wichtig, dass top ausgebildetes Personal wie speziell geschulte Krankenschwestern mit viel Einfühlungsvermögen und sozialer Kompetenz die Menschen betreuen. Ebenso wichtig wie angemessen, ist eine demokratische, teamorientierte Zusammenarbeit – die althergebrachten, hierarchischen Strukturen von Krankenhäusern machen wenig Sinn.
Entgegen der landläufigen Meinung bedeutet nicht nur das Alter Krankheit oder das Ende des Lebens. Auch viele junge Menschen erleiden schwerste Erkrankungen oder Unfälle. Jedem kann etwas Schlimmes passieren – diesen Gedanken lassen leider viele nicht zu. Insofern zählen auch die Angehörigen im weitesten Sinne zum Kreis derer, die wir betreuen. Sie haben oft den langen Leidensweg ihrer geliebten Menschen begleitet. Wir können sie unterstützen und Ihnen zeigen, dass sie es schon richtig gemacht haben. Der Umgang mit dem Tod in unserer Gesellschaft sollte immer ebenso ein aktuelles Thema sein wie die Arbeitslosenzahlen. Wie sieht das tägliche Leben im Pflegezentrum Kirchheim aus? Bei uns stehen immer die Türen offen, Kommunikation, Mitbekommen was im Alltag vor sich geht, ist für die Menschen sehr wichtig und schafft Vertrauen und Wohlbefinden. Das ist gewissermaßen die Hausphilosophie, dass sich die Leute untereinander treffen können und genügend Bewegungsfreiheit haben. Es ist auch sehr wichtig, dass die Menschen den Tagesablauf miterleben – deshalb schließen wir keine Türen. So guckt vielleicht auch mal der eine oder andere Besucher in ein Zimmer. Das freut unsere Bewohner sehr.
Jeden der Hilfe nötig hat – Kassen- und Privatpatient, selbst Sozialhilfeempfänger. Wir haben keine Einschränkungen.
Dem entgegne ich, dass die Bewohner, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, absolut geistig fit sind. Viele denken, dass bei uns sterbende, dahinsiechende Menschen liegen, mit denen man eigentlich
nichts mehr anfangen kann. Das ist völlig falsch – mit den meisten Menschen kann man sich prima unterhalten. Konkret haben wir im Parterre eine Schwerstpflegestation mit
Palliativbetten. Wachkomapatienten und die Bewohner, die selbst laufen sowie essen können und keinen größeren Pflegebedarf brauchen, befinden sich im ersten Stock. Es gibt auch Bewohner, die wir wieder nach Hause entlassen konnten. Ihr Zustand hatte sich prima stabilisiert und so konnten wir die Entlassung nach Hause gut verantworten. Dafür haben wir einen Kooperationsvertrag mit dem Malteser Hilfsdienst. Die Kollegen übernehmen dann die Versorgung zuhause und wir können sicher sein, dass alles bestens läuft. Das ist übrigens auch noch ein Unterschied zu den Hospizen, wo sich noch Chancen bieten. Lebenserhaltende Maßnahmen wie zum Beispiel eine Reanimation bei einem Palliativ-Patienten finden bei uns nicht statt.
Das ist meist ein Vorurteil, das überdacht werden sollte. Es gibt schwerkranke Menschen, die leben ganz alleine zuhause und werden ambulant nur notdürftig versorgt, geschweige denn menschlich und psychisch angemessen. Bei uns bekommen die Bewohner neben kompetenter medizinischer Betreuung rund um die Uhr sehr viel persönliche Zuwendung, was die Lebensqualität erhöht und die Angehörigen entlastet.
Unter anderem, indem man versucht zu zeigen, dass kleine Schritte auch einen Erfolg darstellen. Bei Schwerstkranken verschieben sich die Bedürfnisse und Erwartungen – bereits kleine Erfolgserlebnisse wecken meist Freude und Zufriedenheit. Dies sollte man ernst nehmen und fördern. Für uns Gesunde sieht manches dennoch schlimm aus – dies relativiert sich jedoch im Einzelfall. Es kann für Schwerstkranke sehr viele schöne und gute Momente geben. Wir sollten den kranken Menschen nicht von unserer Seite aus sehen, sondern von seiner. Dann wird einem schnell klar, dass es ihm für seine Verhältnisse gut geht.
Ich versuche ihnen das Gefühl zu geben, dass sie das Beste bereits getan haben und nun, wo sie nichts mehr Besseres tun können, das Beste für ihn herausgesucht haben. Wenn die Angehörigen dann sehen, wie ihre lieben Menschen versorgt und betreut werden, macht sie das zufrieden. Wir sprechen ja auch viel über Ängste und Sorgen mit ihnen. Auch hier ist das aufrichtige präsent sein ganz wichtig. Außerdem gibt es zusätzlich psychologische und seelsorgerische Unterstützung, wenn dies gewünscht wird. Und auch bei der Trauerbewältigung sind wir da und reden offen miteinander. Oft spüren die Angehörigen, dass ihre Liebsten noch eine gute Zeit hier verbracht haben. Wir merken dabei häufig, dass sich so auch die familiären Verhältnisse in dieser Hinsicht verbessern. Denn die Angehörigen sind nun entlastet und müssen nicht unter Stress ständig präsent sein, sondern können sich entspannt ein oder zwei Stunden mit Hingabe ihren Lieben widmen.
Ich bin optimistisch und denke, dass es immer irgendwie weiter geht. Ich glaube, dass ich das auch den Menschen vermittle.